Donnerstag, 31. Dezember 2009

2009 - ein Jahr endet

Gestattet mir am letzten Tag des Jahres 2009 ein paar persönliche Worte und einen persönlichen Rückblick, der über die eigentliche Thematik dieses Blogs hinaus geht:

Es ist mal wieder Zeit für die besonders sentimentalen Stunden im Verlauf eines Jahres: Die letzten Stunden. Man blickt auf die vergangenen zwölf Monate zurück und erinnert sich mit Freude oder auch Wehmut an Momente oder ganze Tage, die aus gutem Grund im Gedächtnis geblieben sind: Weil sie besonders schön, besonders schlecht, oder auf irgendeine andere Weise herausragend waren. Alles andere nennen wir mal das Alltägliche, an das wir uns nicht mehr im Detail erinnern.

Man zieht in diesen Stunden Bilanz: Was war gut, was war schlecht? Was hätte man besser machen können? Und im besten Fall zieht man aus den Antworten nützliche Lehren, die einem im nächsten Jahr weiter helfen werden.

Was das Thema dieses Blogs betrifft, fand der Paukenschlag, den 2009 bereit hielt, gleich am Anfang statt: George W. Bush schied am 20. Januar aus dem Präsidentenamt aus und wurde zum ehemaligen Präsidenten Bush. Von einem Tag auf den anderen war es vorbei mit seinen täglichen öffentlichen Auftritten und den täglichen Nachrichten über ihn und seine Politik. Im Gegensatz zu Dick Cheney verschwand Bush praktisch völlig. Er zog sich nach Texas zurück, um dort die Projekte der nächsten Zeit anzustoßen: Der Bau seiner Präsidentenbibliothek und die Veröffentlichung seines ersten Buches nach der Präsidentschaft. Keine großen Interviews, nur ein offizieller Auftritt bei der Beerdigung Ted Kennedys und nur eine öffentliche Rede am 4. Juli, die in den Medien aber allenfalls in einem Nebensatz erwähnt wurde. George Bushs Zeit war wirklich vorbei. Auf acht Jahre tägliche öffentliche Anwesenheit folgte die fast vollständige Abwesenheit. Für jeden Bush-Fan ein Bruch, der erst einmal verdaut werden musste.

Der Abschied eines Präsidenten bedeutete die Ankunft eines anderen: Barack Obama. Letztlich ist es wohl so gelaufen, wie man (also wir mit Verstand gesegneten Obama-Skeptiker) sich das vorstellen konnte: Obambi musste einsehen, dass die Welt nun mal kein Ponnyhof ist, dass Politik das Bohren dicker Bretter bedeutet, dass sich Tyrannen und Terroristen nicht durch ein paar nette Worte und Zugeständnisse besänftigen lassen, und dass schöne Reden keine Taten oder Ergebnisse ersetzen. Diese Desillusionierung fand nicht nur bei Obama, sondern auch bei seinen Anhängern statt. Die ersten Meinungsforschungsinstitute sehen Obama in den USA bei Zustimmungswerten von unter 50%. Aber immerhin sehen ein paar Herren in Oslo in Obama noch den Messias. Jedenfalls sorgten sie mit der Entscheidung, den Friedensnobelpreis ans Weiße Haus zu schicken, für den Kopfschüttler des Jahres.

Was die deutsche Politik betrifft, war 2009 vor allem eines: Bundestagswahljahr. Wirklich im Fokus stand die Wahl jedoch nur um den Wahltag herum. Ein Wahlkampf fand nämlich praktisch überhaupt nicht statt. Die noch regierende Große Koalition machte es möglich. Steinmeier konnte nicht und Merkel wollte nicht. Möglich waren eh nur zwei Konstellationen: Eine weitere Große Koalition oder zum ersten Mal nach elf Jahren wieder Schwarz-Gelb. Deutschland zuckte ob dieser Wahl zwar mit den Schultern, entschied sich am 27. September dann aber doch recht deutlich für Zweiteres.

Für mich war das der politisch mit Abstand erfreulichste Tag des Jahres. Hatte ich doch elf Jahre lang auf diese Koalition gewartet.

In den Geschichtsbüchern wird unter dem Eintrag „2009“ stehen (und das ist sicherlich eine persönliche Auswahl), dass Barack Obama US-Präsident wurde, dass auf der ganzen Welt Schweinegrippe und Finanzkrise grassierten, dass die NATO, die Bundesrepublik und der Mauerfall Jubiläen feierten, dass der Lissabonvertrag in Kraft trat, dass die zweite Große Koalition von Schwarz-Gelb abgelöst wurde, dass ein anderes Schwarz-Gelb seinen 100. Geburtstag feierte, dass es im Iran mutige Demonstranten gab, dass in Italien die Erde bebte, dass es ein turbulentes Jahr für Opel war, dass bei einem Amoklauf in Winnenden 15 Menschen starben, dass Afghanistan spätestens durch den Bombenangriff in Kundus wieder ins Rampenlicht rückte, dass die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin von Usain Bolt beherrscht wurde, dass der Literaturnobelpreis an Deutschland ging, und dass der Tod Michael Jacksons die Welt und der Selbstmord Robert Enkes die Bundesrepublik erschütterte.

Und dann ist da auch immer das persönliche Geschichtsbuch:

Ich kann sagen, dass 2009 für mich ein Jahr ohne große Katastrophen oder Tragödien war – und nichts ist annähernd so wichtig wie das. Sicher, Enttäuschungen, Niederlagen und Schwierigkeiten hat es gegeben – aber Tod und Krankheit sind fern geblieben. Noch mal: Nichts ist annähernd so wichtig wie das. Und alles in allem habe ich keinen Zweifel, dass die schönen Stunden zahlreicher waren als die dunklen. Wohl wissend, dass Erstere ohne Letztere keine Bedeutung haben.

Ansonsten hat sich dieses Jahr für mich dadurch ausgezeichnet, dass ich einigen neuen Menschen begegnet bin, die ich nicht nur flüchtig kennen gelernt habe, sondern die so etwas wie ein Teil meines Lebens und meines Alltags geworden sind und beides bereichert haben. Es ist schon komisch, wenn man darüber nachdenkt: Beim Eintritt in dieses Jahr wusste ich teilweise noch nicht einmal, dass sie existieren und heute, am Ende dieses Jahres, sind sie nur noch schwer wegzudenken – auch jene, die letztlich doch nicht auf Dauer geblieben sind, aber Erinnerungen geschaffen haben.

Und man stellt sich die Frage, welchen Menschen man 2010 begegnen wird, die man heute noch nicht kennt, die aber in zwölf Monaten ihre Spuren hinterlassen haben werden.

Dieser Jahreswechsel markiert auch das Ende eines Jahrzehnts. Auch hier gilt die Teilung zwischen Weltgeschehen und dem persönlich Erlebten. Das Jahrzehnt begann mit Terror (9/11) und endete damit (der gescheiterte Terroranschlag in Detroit). Für alle, die es so sehen wollen, spricht das Time Magazine von einem „Jahrzehnt aus der Hölle“.

Für mich persönlich gilt, dass in diesem Jahrzehnt der wichtigste Teil meiner Jugend stattfand. Man verzeihe mir also, wenn ich die Dekade zwischen 2000 und 2010 nur schwerlich als „Jahrzehnt aus der Hölle“ sehen kann.

Was bedeutet der Jahreswechsel überhaupt? Im Grunde markiert diese Sekunde, zwölf Uhr Mitternacht am 31.12., weder ein Ende noch ein Anfang – sondern ein Weitermachen, wie Hal Borland es ausdrückte. Es bleibt ja doch alles beim Alten. Und dennoch ist da dieses Aufschlagen einer neuen Seite, dieser Neubeginn, dem laut Hermann Hesse ein Zauber inne wohnt.

Man steht auf der Straße, schaut sich das Feuerwerk an und hört die Glocken läuten – zwölf Mal. Für jedes der vergangenen Monate einmal – und für jedes der kommenden.

Rolf Ramin schreibt über diesen Moment: „Schaut nur auf die gute, alte Wanduhr, ihr ewig Zweifelnden, ihr Verzagten. Gleich werden die beiden Zeiger übereinander stehen, der große und der kleine. Und sie werden nach oben weisen, steil nach oben. Gibt es ein besseres, ein gültigeres Symbol für die Hoffnung? Hört, das war der erste Schlag,...der zweite....der dritte. Wir wollen uns fest an den Händen fassen und lächeln. Merkt es euch gut, Freunde, dieses Lächeln. Wir werden es gebrauchen können.“

Letztlich hat auch 2009 eines gezeigt: Dass es immer weiter geht - ob George W. Bush nun abtritt, Minarette in der Schweiz verboten werden, Usain Bolt zweifelhafte Rekorde aufstellt, Jacko stirbt oder man persönlich durch das ein oder andere Tal gehen muss.

Was auch passiert – 2010 wird da nicht anders sein.

Glück auf!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

I wish not concur on it. I think nice post. Expressly the title-deed attracted me to read the sound story.

Anonym hat gesagt…

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