Freitag, 22. Februar 2008
And The Winner Is ..... Dallas!
Wikipedia erläutert: "Jeder Präsident der Vereinigten Staaten hat eine Präsidentenbibliothek in seinem Heimatstaat, in welchem Dokumente, Artefakte und Anschauungsmaterialien gehalten werden, die zu seiner früheren Präsidentenkarriere in Beziehung stehen. Jede Bibliothek enthält außerdem ein Museum und betreibt öffentliche Programme. In den Vereinigten Staate ist das System der Präsidentenbibliotheken ein landesweites Netzwerk von Bibliotheken, die vom Amt für die Präsidentenbibliotheken verwaltet werden, das Teil der Verwaltung der National Archives and Records Administration (NARA) ist. Es handelt sich dabei nicht um traditionelle Bibliotheken, sondern um Aufbewahrungsorte für Papiere, Aufzeichnungen und andere historische Materialien aller Präsidenten seit Herbert Hoover, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden"
Schon seit Beginn der Amtszeit Bushs im Jahr 2001 wurde ein geeigneter Ort für die Errichtung der Bibliothek gesucht. Der frühere US-Handelsminister Don Evans leitet das Findungskomitee seit ein paar Jahren. Ab dem Jahr 2006 waren ungefähr acht Stätten in der engeren Auswahl, darunter auch Austin, Midland, sowie Waco, das in der Nähe von Bushs Ranch liegt. Dort wird nun Enttäuschung herrschen, bringen die Presidential Libraries doch Touristen, Arbeitsplätze und Prestige. Die Southern Methodist University in Dallas galt jedoch seit jeher als Favorit, da die Bushs Dallas als zweiten Wohnsitz neben Crawford nach der Zeit im Weißen Haus auserkoren haben.
Die SMU brüstet sich jetzt schon auf ihrer Homepage mit dem Titel "Home of the George W. Bush Presidential Center". Nun wird es zunächst darum gehen, Gelder für die Errichtung der Bibliothek zu sammeln. Die Bauarbeiten sollen 2009 beginnen und fünf Jahre andauern.
Dancer-in-Chief
Dienstag, 19. Februar 2008
Ein Nachfolger für "E Pluribus Unum"
"Foreign players are most welcome. Feel free to include, along with your answer,
your age, gender, vocation, where you live, and who you would vote for in the
upcoming presidential election. Feel free also to punctuate your motto liberally
(or, if you will, conservatively); for instance: 'Battered? A bit. Beaten?
Puh-leeze. Onward!'"
Schon fast 1300, natürlich völlig unterschiedliche Vorschläge sind eingegangen. Darunter ernst gemeinte, patriotische: "Land of the free and brave" oder "Of, by, and for the people". Sehr patriotische: "Hey world: Try and stop us!" oder "Washington, Jefferson, Lincoln - Beat that, World!". Zynische: "The country founded by freedom-loving slave-owners". Und schlichtweg negative: “Fat, Rude, Ignorant, living off credit”.
Da die meisten Vorschläge doch eher dem negativen und zynischen Lager zuzuordnen sind, ist anzunehmen (und man sieht es auch an den personellen Angaben der Leute), dass der Anteil von Nicht-Amerikanern und Nach-Links-Tendierenden recht hoch ist.
Na ja, mag es sein, wie es wolle: Kreative vor!
Montag, 18. Februar 2008
President's Day
The President must be greater than anyone else, but not better than anyone else. We subject him and his family to close and constant scrunity and denounce them for things we ourselves do every day. A Presidential slip of the tongue, a slight error in judgement - social, political, or ethical - can raise a storm of protest. We give the President more work than a man can do, more responsibility than a man should take, more pressure than a man can bear. We abuse him often and rarely praise him. We wear him out, use him up, eat him up. And with all this, Americans have a love for the President that goes beyond loyalty or party nationality."
(John Steinbeck in "America and Americans")
Heute, am dritten Montag im Februar feiern die USA den President's Day. Vor allem gilt er als ein nationaler Feiertag, an dem den Präsidenten George Washington und Abraham Lincoln gedacht werden soll. Doch mittlerweile findet der President's Day zu ehren aller Präsidenten, inklusive dem jeweils amtierenden, statt.
Also: Happy President's Day!
Und wenn wir schon mal bei Präsidenten und denen, die's noch werden wollen, sind: John McCain hat soeben die offizielle Unterstützung seiner Kandidatur durch Präsident George H. W. Bush bekommen. Ein weiterer Schritt hin zur Akzeptanz des "Establishment" der GOP. Nach Bush 41 und dem ehemaligen Gouverneur von Florida Jeb Bush fehlt jetzt eigentlich nur noch einer aus der Familie: Bush 43! Na ja, er wird sich offiziell erst äußern, sobald Mike Huckabee aus dem Rennen ausgestiegen ist. Die New York Times berichtet jedoch, dass hinter den Kulissen schon erste Absprachen zwischen der "McCain-Campaign" und dem Weißen Haus in Sachen Wahlkampf-Koordinierung statt finden. Demnach wird der innerhalb der GOP noch immer beliebte George W. Bush vor allem eingesetzt werden, um Wahlkampf-Spenden zu sammeln und die Partei hinter McCain zu einen (d.h. die Konservativen an die Wahlurnen zu bringen).
Gemeinsame Auftritte von McCain und Bush, vor allem solche die außerhalb des "roten Amerika" statt finden, soll es nur selten geben. Dies hat entgegen weitläufiger Annahmen nicht nur mit Bushs mangelnder Beliebtheit zu tun, sondern ist schon fast Tradition: Auch Bush 41 hat nicht all zu viel Wahlkampf mit Ronald Reagan gemacht, genauso wenig wie Al Gore mit Bill Clinton. Gerade zweiteres ist im Nachhinein allerdings kritisiert worden: Clinton hätte zumindest innerhalb der demokratischen Partei für noch mehr Mobilisierung sorgen können. Diesen Fehler scheint McCain eben nicht wiederholen zu wollen.
Sonntag, 10. Februar 2008
McCain For President!
Entgegegen der Meinung einiger Verbohrter ist es nun an der Zeit, sich hinter McCain zu versammeln. Der konservative Kommentator Larry Kudlow macht in der National Review den Anfang:
"Some things in life are quite simple. Here’s one of them: Sen. John McCain is going to be our next president.How do I know?For starters, McCain will have a unified Republican party — conservatives and all — working hard for him. He’s also going to win over the Reagan Democrats, the Bush Democrats, and the Perot independents. These folks demand a strong military, want government off their backs, and are sick and tired of growing federal deficits and out-of-control spending. McCain’s their man. If you recall, it was the cross-over Democrats and independents who helped elect Ronald Reagan twice and put Papa Bush in office for what was expected to be a Reagan third-term. When Papa Bush waffled, they went to Perot. But they came back to support the Gingrich Congress and later stayed with George W. Bush in 2000 and 2004. In 2006 they walked away again, penalizing a GOP Congress that embraced heavy spending and corrupt earmarks. But now they’ll come back. McCain is tailor-made for this group."
Mittwoch, 6. Februar 2008
Super Night, But No Knockouts .... Yet!
Erst einmal die harten Fakten:
Die Republikaner: John McCain gewinnt in: Arizona, California, Connecticut, Delaware, Illinois, Missouri, New Jersey, New York, Oklahoma. Mitt Romney gewinnt in: Alaska, Colorado, Massachusetts, Minnesota, North Dakota, Utah. Mike Huckabee gewinnt in: West Virginia, Alabama, Arkansas, Georgia, Tennessee.
Die Demokraten: Hillary Clinton gewinnt in: Arizona, Arkansas, California, Massachusetts, New Jersey, News York, Olkahoma, Tennessee. Barack Obama gewinnt in: Alabama, Alaska, Colorado, Connecticut, Delaware, Georgia, Idaho, Illinois, Kansas, Minnesota, Missouri, North Dakota, Utah.
New Mexico gilt auf Demokraten-Seite derzeit als noch nicht entschieden.
Was die Delegierten angeht (und letztlich zählt ja genau das, zumal gerade auf Demokraten-Seite die Delegierten proportional in den einzelnen Bundesstaaten vergeben werden) sieht es demnach folgendermaßen aus: Republikaner: John McCain: 613, Mitt Romney: 269, Mike Huckabee: 190. Demokraten: Hillary Clinton: 845, Barack Obama: 765.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass John McCain sich weiter abgesetzt und damit das Rennen bei den Republikanern einen weiteren Schritt Richtung Entscheidung vorangebracht hat, während sich Hillary Clinton und Barack Obama bei den Demokraten weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit leichten Vorteilen für Hillary Clinton liefern. Mitt Romneys Hass auf Mike Huckabee steigt wahrscheinlich minütlich, da dieser ihm die entscheidenden Stimmen im konservativen Amerika wegnimmt (bewirbt sich Huckabee hier möglicherweise um die Vizepräsidentschaft?). In West Virginia werden McCain und Huckabee sogar verdächtigt, sich gegen Romney abgesprochen zu haben. Überhaupt war Romneys Abschneiden im Süden, auch wenn man sich die einzelnen Counties anschaut, nicht gerade überzeugend. Jedenfalls nicht vor dem Hintergrund, dass er als der konservative Kandidat im GOP-Rennen gilt.Für beide Lager war Kalifornien einer der wichtigsten Staaten und so hat keiner der Kandidaten Kosten und Mühen gescheut, ihn zu gewinnen. John McCain und Hillary Clinton konnten sich hier also besonders freuen. Barack Obama fragt sich heute vielleicht, was ihm die Unterstützung des Kennedy-Clans eigentlich gebracht hat, da er sowohl Kalifornien als auch Massachusetts verlor - beides Staaten, in denen die Kennedys ihr ganzes Gewicht zur Geltung bringen sollten. Hillary muss sich ganz schön ins Fäustchen gelacht haben. Allerdings gibt es erste Wahlbeobachter, die jetzt sogar Obama insgesamt im Vorteil sehen, da die nächsten Vorwahlen eher ihm als Hillary zusagen.
Aus Republikaner-Sicht ist wieder einmal festzustellen, dass die Wahlbeteiligung bei den eigenen Primaries und Caucuses um einiges niedriger lag als die der Demokraten. Das lässt auf fehlenden Enthusiasmus schließen, was für die Wahl im November, sollte dies so bleiben, nichts Gutes erahnen lässt.
Die nächste große Vorwahlschlacht findet am 12. Februar bei der sogenannten "Potomac Primary" statt. Dann wählen der District of Columbia, sowie die ihn eingrenzenden Staaten Maryland und Virginia. Zum ersten Mal seit langem haben in diesem Jahr also auch Staaten Gewicht, die erst nach dem Super Tuesday wählen.
Was gibt es spannenderes als Demokratie?!
Mittwoch, 30. Januar 2008
The Final State of the Union Address
(US-Verfassung; Artikel 2, Absatz 3)
Gestern Nacht kam George Bush zum siebten Mal seiner verfassungsmäßigen Pflicht nach, einen Bericht zur Lage der Nation abzugeben. Zwei weitere Auftritte vor dem Kongress am 27.2.01 und am 20.9.01 gelten technisch gesehen nicht als Reden zur Lage der Nation. Die diesjährige Rede (die vielleicht auch Dank des Erscheinens von Laura, Jenna und Barbara rhetorisch eine der besseren war) stand zudem unter besonderem Vorzeichen, da sie die letzte dieser Art für Präsident Bush war.
Da der 43. Präsident der USA nur noch fast genau ein Jahr im Amt sein wird, waren im Vorfeld der Rede keine Ankündigungen großer Initiativen oder Gesetzesvorlagen erwartet worden. Und tatsächlich trug Bush den politischen Realitäten Rechnung und konzentrierte sich in seiner Rede statt dessen auf "unfinished business". Der Grundtenor der Rede war es, Vertrauen in die Bürger, ihre Entscheidungen und ihre Schaffenskraft zu haben, anstatt sich auf das "big government" zu verlassen. Dies spiegele Bushs Regierungsphilosophie wider, so Ed Gillespie, einer von Bushs Chefberatern.
Der erste Teil beschäftigte sich mit der Innenpolitik und das bedeutet dieser Tage Wirtschaftspolitik. Selbst die bloße Erwähnung des Wortes Rezession vermied Bush tunlichst und sprach statt dessen von einer "wirtschaftlichen Periode der Unsicherheit" und sich abschwächendem Wachstum. Er rief den Kongress dazu auf, schnellmöglichst das Stimulierungspaket, auf das sich Republikaner und Demokraten geeinigt hatten, zu verabschieden, sowie die bereits vor einigen Jahren durchgeführten Steuersenkungen beizubehalten. Seinen einzigen Lacher erntete Bush, als er in Anspielung auf eine frühere Bemerkung Bill Clintons, er würde auch freiwillig mehr Steuern zahlen, sagte: "Others have said they would personally be happy to pay higher taxes. I welcome their enthusiasm. I'm pleased to report that the IRS accepts both checks and money orders."
Besonders stark applaudierten die Republikaner in diesem ersten Teil der Rede, als George Bush auf das Problem "earmarks" zu sprechen kam; also Ausgaben, die von einzelnen Abgeordneten in den Tiefen von Gesetzestexten versteckt werden und oft gar nichts mit dem eigentlichen Inhalt eines Gesetzes zu tun haben. Besonders dreist wird es, wenn solche earmarks erst nach Verabschiedung eines Gesetzestextes in selbigen eingefügt werden. Earmarks sind der ultimative Horror eines jeden Fiskalkonservativen. Bush versprach, mit Vetos gegen Gesetze vorzugehen, die besonders viele earmarks enthalten.
In Sachen Gesundheitspolitik, Rentenversicherung, Bildungspolitik und Immigration erneuerte Bush seine schon lange existierenden Forderungen an den Kongress, zu handeln. Außerdem rief Bush nach weiteren bilateralen Handelsverträgen mit asiatischen und süd-amerikanischen Ländern, sowie einer Energie- und Umweltpolitik, die auf neue Technologien und den Einbezug aller Länder (also auch gerade einschließlich China) setzt.
Wie immer war es der außenpolitische Teil der Rede, der Bush besonders leidenschaftlich werden ließ. Nach der Pflicht also die Kür: Zunächst fasste er sowohl Momente der letzten Jahre zusammen, die in Sachen Freiheitsagenda optimistisch machen (Demokratiebewegungen in Georgien, der Ukraine und dem Libanon, sowie demokratische Wahlen in Afghanistan und dem Irak), als auch Momente, die er als "ernüchternd" beschrieb: Getötete demokratische Führer im Libanon und in Pakistan, sowie Anschläge auf Zivilisten in Afghanistan, dem Irak, Jordanien, London, Madrid und nicht zuletzt in den USA selbst.
Bush:
"Since 9/11, we have taken the fight to these terrorists and extremists. We will
stay on the offense, we will keep up the pressure, and we will deliver justice
to our enemies. We are engaged in the defining ideological struggle of the 21st
century. The terrorists oppose every principle of humanity and decency that we
hold dear. Yet in this war on terror, there is one thing we and our enemies
agree on: In the long run, men and women who are free to determine their own
destinies will reject terror and refuse to live in tyranny. And that is why the
terrorists are fighting to deny this choice to the people in Lebanon, Iraq,
Afghanistan, Pakistan, and the Palestinian Territories. And that is why, for the
security of America and the peace of the world, we are spreading the hope of
freedom."
Dank der "surge" konnte Bush den Irak in seiner Rede zur Lage der Nation zum ersten Mal seit langem eher auf der Haben-Seite verbuchen:
"While the enemy is still dangerous and more work remains, the American and
Iraqi surges have achieved results few of us could have imagined just one year
ago. When we met last year, many said that containing the violence was
impossible. A year later, high profile terrorist attacks are down, civilian
deaths are down, sectarian killings are down. [...] When we met last year, al
Qaeda had sanctuaries in many areas of Iraq, and their leaders had just offered
American forces safe passage out of the country. Today, it is al Qaeda that is
searching for safe passage. They have been driven from many of the strongholds
they once held, and over the past year, we've captured or killed thousands of
extremists in Iraq, including hundreds of key al Qaeda leaders and operatives."
Zum wiederholten Male rief Bush zu einem Frieden im Heiligen Land und zwei Staaten, Israel und Palästina, die Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben, auf. Während Nord-Korea nicht einmal erwähnt wurde, bekam der Iran sein Fett weg:
"Our message to the leaders of Iran is also clear: Verifiably suspend your
nuclear enrichment, so negotiations can begin. And to rejoin the community of
nations, come clean about your nuclear intentions and past actions, stop your
oppression at home, cease your support for terror abroad. But above all, know
this: America will confront those who threaten our troops. We will stand by our
allies, and we will defend our vital interests in the Persian Gulf."
Des weiteren erinnerte Bush den Kongress wieder einmal daran, dass weitere Terroranschläge auf amerikanischem Boden nicht allein durch Hoffen auf das Beste verhindert werden können. So rief er die beiden Kongress-Kammern dazu auf, ein Gesetz, das die wichtige Arbeit der Geheimdienste betrifft, zu verlängern.
Wie so oft wies der Präsident darauf hin, dass zum Krieg gegen die Wurzeln des Terrors auch der Kampf gegen Hunger und Krankheiten überall auf der Welt gehört.
Bush schloss die Rede, indem er auf den schon erwähnten Grundtenor seiner Rede zu sprechen kam: "By trusting the people, our Founders wagered that a great and noble nation could be built on the liberty that resides in the hearts of all men and women. By trusting the people, succeeding generations transformed our fragile young democracy into the most powerful nation on Earth and a beacon of hope for millions. And so long as we continue to trust the people, our nation will prosper, our liberty will be secure, and the state of our Union will remain strong. So tonight, with confidence in freedom's power, and trust in the people, let us set forth to do their business."
Wie schon gesagt, blieben mutige Vorhaben, große Initiativen und "axis-of-evil-Phrasen" diesmal aus. Statt dessen konzentrierte Bush sich auf Dinge, die er sowohl für wichtig als auch für, vielleicht sogar in diesem Jahr noch, machbar hielt. Für Menschen, die Bushs Reden kennen, war es "more of the same", was in Bushs Fall jedoch etwas Gutes ist. Außerdem zeigte er damit wieder einmal das, was seine Fans seit jeher an ihm schätzen: Consistency!
Montag, 28. Januar 2008
TV-Tip: State of the Union Address
Dienstag, 29.1.2008, 3.00 Uhr, CNN: Live-Übertragung der State of the Union Address 2008 (dieser Tage auch gerne "Bush's final State of the Union Address" genannt).
Wer schon die Vorberichterstattung mitbekommen will, schaltet am besten ab 2.00 Uhr ein.
Für alle Loyal Bushies gilt: Genießt es, denn das wird es nie mehr geben. Ja, das Abschiedsjahr ist nun wirklich da.
Morgen folgt dann an dieser Stelle eine Analyse des ganzen.
Dienstag, 8. Januar 2008
A Soldier's Last Post
Der 38-jährige Major Olmsted war nicht nur Mitglied der US Army, sondern auch ein leidenschaftlicher Blogger. Diesem Hobby ging er gleich auf zwei Webseiten nach: Zum einen bloggte er seit seiner Versetzung in den Irak im letzten Juli für die Rocky Mountain News. Einer der leitenden Redakteure, John Temple, sagte: "The news is devastating. The major was a brave man who obviously thrived on sharing his experiences and thoughts on his blog. He provided a perspective on Iraq that would have been impossible for a journalist. Our thoughts are with his wife, family and unit."
Nach Olmsteds Tod fand jedoch sein zweiter, sein persönlicher Blog besondere Beachtung; sogar in den nationalen Medien der USA. Denn Andrew Olmsted hatte vorgesorgt: Für den Fall seines Todes hatte er einer Freundin einen "last post" überlassen, den diese dann veröffentlichen sollte.
Von Anfang an ist der Post mit Sätzen gespickt, die einen in all der Tragödie schmunzeln lassen. Major Olmsted hatte definitiv Sinn für Humor:
"I'm dead. That sucks, at least for me and my family and friends. But all the
tears in the world aren't going to bring me back, so I would prefer that people
remember the good things about me rather than mourning my loss. (If it turns out
a specific number of tears will, in fact, bring me back to life, then by all
means, break out the onions.)", schreibt Olmsted. "I suppose I should speak to
the circumstances of my death. It would be nice to believe that I died leading
men in battle, preferably saving their lives at the cost of my own. More likely
I was caught by a marksman or an IED. But if there is an afterlife, I'm telling
anyone who asks that I went down surrounded by hundreds of insurgents defending
a village composed solely of innocent women and children. It'll be our little
secret, ok?"
Andrew Olmsted, der sich als "Libertarian" verstand, wollte nicht, dass sein Tod zum Politikum gemacht wird:
"I do ask (not that I'm in a position to enforce this) that no one try to use my
death to further their political purposes. I went to Iraq and did what I did for
my reasons, not yours. My life isn't a chit to be used to bludgeon people to
silence on either side. If you think the U.S. should stay in Iraq, don't drag me
into it by claiming that somehow my death demands us staying in Iraq. If you
think the U.S. ought to get out tomorrow, don't cite my name as an example of
someone's life who was wasted by our mission in Iraq."
Dennoch schrieb Olmsted, der durchaus ein politischer Mensch war und vor keiner Debatte zurückschreckte in seinem "last post" über seinen Job im Irak:
"Soldiers cannot have the option of opting out of missions because they don't
agree with them: that violates the social contract. The duly-elected American
government decided to go to war in Iraq. (Even if you maintain President Bush
was not properly elected, Congress voted for war as well.) As a soldier, I have
a duty to obey the orders of the President of the United States as long as they
are Constitutional. I can no more opt out of missions I disagree with than I can
ignore laws I think are improper. I do not consider it a violation of my
individual rights to have gone to Iraq on orders because I raised my right hand
and volunteered to join the army. Whether or not this mission was a good one, my
participation in it was an affirmation of something I consider quite necessary
to society. So if nothing else, I gave my life for a pretty important principle;
I can (if you'll pardon the pun) live with that. [...] On a similar note, while
you're free to think whatever you like about my life and death, if you think I
wasted my life, I'll tell you you're wrong. We're all going to die of something.
I died doing a job I loved. When your time comes, I hope you are as fortunate as
I was."
Besonders emotional wird der "last post" zum Schluss. Dort schreibt Major Olmsted über den Menschen, der wohl am meisten unter seinem Tod zu leiden hat: Amanda Wilson, mit der Olmsted zehn Jahre lang verheiratet war:
"I cherished every day I was married to Amanda. When everything else in my life
seemed dark, she was always there to light the darkness. It is difficult to
imagine my life being worth living without her having been in it. I hope and
pray that she goes on without me and enjoys her life as much as she deserves. I
can think of no one more deserving of happiness than her."
Den ganzen "last post" hindurch schrieb Olmsted immer wieder Zitate nieder, vor allem aus der Serie "Babylon 5". Das letzte lautet: "I will see you again, in the place where no shadows fall."
Freitag, 4. Januar 2008
Und die erste Runde geht an: Huckabee und Obama
Gerade auf demokratischer Seite schien der Sieger vor ein paar Monaten noch festzustehen. Doch auf beiden Seiten des politischen Spektrums näherte sich das Kandidatenfeld kontinuierlich an, bis es zur seltenen Situation kam, dass es einen Tag vor der Wahl werder bei den Demokraten noch bei der GOP einen eindeutigen Favoriten gab; nahezu alles schien möglich. Das Lager von Mike Huckabee war das erste, das gegen 1 Uhr unserer Zeit einen eigenen, deutlichen Sieg voraussagte.
Nur zwei Stunden später sahen sich Fox News und CNN schon in der Position, Huckabee tatsächlich zum Gewinner der republikanischen Caucuses zu erklären. Letztlich gewann dieser mit neun Prozentpunkten Vorsprung vor Mitt Romney. Dieser Sieg war nicht unbedingt überraschend - allenfalls in seiner Deutlichkeit. Zu sehr verlor Romney in den letzten Tagen und Wochen an Schwung in den Umfragen.
Was bedeutet dieses Ergebnis für die beiden genannten Kandidaten? Huckabee schwebt sicherlich erst einmal (politisch) auf Wolke sieben. Vor allem sein nicht all zu großes Budget wird von diesem Sieg profitieren, was es ihm erlauben wird, bessere Wahlkampfstrukturen in anderen Bundesstaaten aufzubauen. Andererseits ist Iowa vor allem demographisch gesehen ein Staat, in dem es jemand wie Huckabee leicht hat. Vor allem die zahlreichen Evangelikalen haben zu seinem Sieg beigetragen. Schon im säkularen New Hampshire wird es Huckabee hier viel schwerer haben, dort gehört er (noch) nicht zu den Favoriten. Die wirklichen Herausforderungen kommen für ihn also erst noch.
Mitt Romney ist auf republikanischer Seite der große Verlierer der letzten Nacht. Denn auch für ihn wird es nicht leichter. War dies doch der Staat, wo er mit Huckabee nur einen ernstzunehmenden Gegner hatte, gegen den er auch prompt verlor. Die zwei weiteren Schwergewichte McCain und Giuliani steigen erst in den nächsten Staaten ernsthaft ins Rennen ein. Wie bei eigentlich allen gilt: New Hampshire wird zeigen, ob Iowa ein Ausrutscher, oder der Beginn eines Trends war. Fred Thompson wurde zwar deutlich geschlagen, landete aber immerhin noch auf dem dritten Platz. Ein vierter Platz hätte wohl seinen Ausstieg aus dem Rennen bedeutet; so bekommt er noch eine Gnadenfrist, die aber zu nichts führen wird.
Zu den Demokraten:
Es war sicherlich ein großer Abend für Barack Obama. Sein Sieg in einem nahezu vollständig weißen Staat zeigt, dass seine Strategie, seine Hautfarbe nicht zum Thema zu machen die richtige war. Auch die Botschaft "wir, die jungen, dynamischen Hoffnungsträger gegen die, das Etablissement" scheint bei der Bevölkerung Anklang gefunden zu haben. Ein Sieg Obamas schien in den letzten Tagen durchaus möglich, überrascht hat jedoch die Deutlichkeit. Und letztlich ist es diese Deutlichkeit, die vor allem Hillary Clinton zu denken geben muss. John Edwards hat sicherlich einen Achtungserfolg erzielt, hätte aber schon gewinnen müssen, um als ernsthafter Kandidat für die Parteinominierung zu gelten. Tja, und für Hillary Clinton war es - welch Wortspiel - eine schwarze Nacht. Man muss Iowa sicherlich nicht gewinnen, aber noch nicht einmal Zweiter zu werden und dann auch noch so deutlich zu verlieren, ist durchaus ein herber Schlag. Bill Clinton hatte sichtlich Mühe, sich bei der Rede seiner Frau am Ende des Wahlabends ein Lächeln abzuringen. So wird New Hampshire schon eine ganz ernste Sache für Hillary, denn die nächsten Staaten im Kalender (vor allem South Carolina) sind demographisch eher Obama-Land. Doch insgesamt liegt Hillary in den Umfragen der meisten Staaten teilweise mit großem Vorsprung vorne, so dass noch nichts verloren ist. So sehr dieser Blog auch die entglittenen Gesichtszüge im Clinton-Lager genossen hat: Dieser Blog hofft auf eine Wahl Hillarys, da sie als Feindbild leichter zu schlagen sein wird als Obama.
Joe Biden und Chris Dodd fanden sich im prozentualen Niemandsland wider, was zum sofortigen Rückzug der beiden geführt hat. Der Gouverneur von New Mexico Bill Richardson will das Rennen noch nicht verlassen und hofft auf die Vorwahlen im Süden und Westen der USA. Den Posten des Vizepräsidentschaftskandidaten hat er sicherlich auch im Hinterkopf.
Das Fazit lautet also: Auf beiden Seiten gab es einen großen Gewinner und einen großen Verlierer und entschieden ist... noch gar nichts.
Auf nach New Hampshire!