Donnerstag, 19. Juni 2008

Tim Russert, R.I.P.

Der amerikanische TV-Journalismus ist am Freitag erschüttert worden. Einer der Größten und Besten ist überraschend im Alter von 58 Jahren gestorben: Timothy John Russert von NBC.

Erst in der Nacht zuvor war Tim Russert von einer Italien-Reise mit seiner Frau Maureen Orth und seinem Sohn Luke Russert, der gerade seinen College-Abschluss gemacht hatte, zurück gekommen. Am frühen Freitag-Nachmittag brach er schließlich auf Grund eines Herzinfarkts in seinem Büro zusammen und starb im Krankenhaus. Nachdem die Familie informiert worden war, unterbrachen NBC, CNBC und MSNBC ihr laufendes Programm und Tom Brokaw machte die Nachricht publik.

Tim Russert war zuletzt Chef des Washingtoner Büros von NBC News. Berühmt machte ihn die sonntägliche Polit-Talkshow "Meet the Press", die er seit 1991 moderierte. Sie ist die am längsten laufende Show im US-Fernsehen. Letzten Sonntag wurde sie von Tom Brokaw moderiert und in Russerts Gedenken gestaltet , wobei Tim Russerts Moderatorenstuhl leer blieb.

Russert war für seine Herkunft aus Buffalo, New York und für seine Leidenschaft für die Football-Mannschaft der Buffalo Bills bekannt, viele seiner Sendungen beendete er mit den Worten "Go Bills!". Eine ganz besondere Beziehung hatte er zu seinem noch lebenden Vater, genannt Big Russ. Über diese Beziehung schrieb er ein Bestseller-Buch - Big Russ & Me.

Als Moderator von "Meet the Press" lernte er in 17 Jahren sämtliche Größen der amerikanischen, sowie der Welt-Politik kennen. Wer in Amerika ein hohes Amt bekleiden wollte, musste sich einem Interview bei "Meet the Press" stellen. Sie alle, egal ob rechts oder links, respektierten Russert für seine Fairness und Objektivität. Sie alle zollten ihm in den Tagen nach seinem Tod Tribut - auch George W. Bush: "As the longest-serving host of the longest-running program in the history of television, he was an institution in both news and politics for more than two decades. Tim was a tough and hardworking newsman. He was always well-informed and thorough in his interviews. And he was as gregarious off the set as he was prepared on it."

Viele bemerkten, dass die Wahlnacht am 4. November dieses Jahres nicht das selbe sein würde, ohne Tim Russert auf dem Fernsehbildschirm zu sehen. Auch die letzten Worte einer jeden "Meet the Press"-Sendung "if it's Sunday, it's Meet the Press" wird von nun an jemand anders sprechen müssen.

Sonntag, 1. Juni 2008

Scott McClellan teilt aus

Es hat schon fast Tradition, dass ehemalige Mitarbeiter des Weißen Hauses Bücher über ihre Zeit im Dienste des Präsidenten veröffentlichen. Dass dabei sprichwörtlich schmutzige Wäsche gewaschen wird, kommt vor.
Scott McClellan, der zweite von insgesamt vier Pressesprechern Bushs, hat sich in seinem gerade erst erschienenen Buch "What Happened: Inside the Bush White House and Washington’s Culture of Deception" dazu entschlossen, einen fast beispiellosen Rundumschlag zu starten, der gerade auch seinen ehemaligen Chef einschließt. Das Buch hat Washington in helle Aufregung versetzt und die Medien, sowie die linksliberalen Blogs zitieren natürlich genüsslich daraus. Tja, so schnell wird man vom Feind zum besten Freund der Mainstream Media und der Liberals.

Was genau schrieb McClellan denn nun? Hier ein paar Punkte, um die es geht:

  • Den Irak-Krieg nennt er einen "groben strategischen Fehler" und "unnötig". Um den Krieg im Vorfeld zu rechtfertigen, sei eine "politische Propagandamaschinerie" in Gang gesetzt worden.
  • Das Bush-White-House befinde sich mental in einer permanenten Wahlkampagne.
  • Über Condoleezza Rice: Sie versuche stets geschickt ihren guten Ruf zu erhalten. Sie könne sich aus allen Schwierigkeiten herauswinden und wie ein Star erscheinen.
  • Über die Reaktion der Administration auf den Hurrikan Katrina: In der Woche danach habe das Weiße Haus Realitätsverweigerung betrieben. Die Reaktion der Behörden sei auf Autopilot geschaltet worden. Dass Präsident Bush zunächst nur in der Air Force One über das Katastrophengebiet flog, habe den Menschen zumindest die Impression gegeben, dass Bush "out of touch" gewesen sei. (Die Antwort Karl Roves auf diese Anschuldigung macht durchaus Sinn: In der ersten Zeit nach einer Katastrophe besuche Bush nie den jeweiligen Unglücksort, da schon die Sicherheitsvorkehrungen durch den Secret Service die gesamten Rettungsmaßnahmen lahm legen würden. Für die Anreise Bushs hätte damals etwa ein für die Rettungskräfte immens wichtiger Flughafen in New Orleans stundenlang gesperrt werden müssen.)
  • McClellan echauffiert sich besonders über die so genannte Plame-Affäre. Diese kostete ihm nämlich letztlich den Job und den Ruf. Sie ist wohl der Hauptgrund für seine Bitterkeit dem Weißen Haus gegenüber. Er, so McClellan, habe über zwei Jahre hinweg unwissentlich den Journalisten Lügen erzählt, die ihm (und auch George Bush) von Karl Rove und Scooter Libby erzählt worden seien. Diese hatten behauptet, mit der Affäre nichts zu tun zu haben. McClellan beschuldigt Rove und Libby, ihre Aussagen zur Plame-Affäre abgesprochen zu haben, da er die beiden ("zwei Leute, die sonst nie unter vier Augen miteinander sprachen") einmal nach einem Meeting zusammenstehen und miteinander reden gesehen habe. (Auch dazu nahm Rove Stellung und auch hier macht die Erklärung Sinn: Es sei erstens gewagt von McClellan, über ein Gespräch zu schreiben, dessen Inhalt er überhaupt nicht kenne und zweitens sei es ja wohl nichts Ungewöhnliches, dass der Chefberater des US-Präsidenten und der Stabschef des Vize-Präsidenten miteinander redeten. Dies sei täglich mehrere Male vorgekommen, zumal die Büros der beiden nur wenige Meter auseinander lagen).
  • Über Bush: Er überzeuge sich selbst, das zu glauben, was für ihn politisch gerade am besten ist und betreibe Selbsttäuschung, wenn es nur dem politischen Zweck diene.

Es erübrigt sich zu sagen, dass das Weiße Haus nach der Veröffentlichung des Buchinhalts restlos bedient war, galt McClellan doch als der Treueste der Treuen. Seit 1999 arbeitete der Texaner für Bush. Als dieser 2001 seine Präsidentschaft antrat, wurde McClellan Vize-Pressesprecher unter Ari Fleischer. Als dieser noch in der ersten Amtszeit seinen Posten verließ, wurde McClellan zum Pressesprecher ernannt. Dieses Amt hatte er von 2003 bis 2006 inne, bevor Tony Snow sein Nachfolger wurde. McClellan galt auch schon vor seiner Buchveröffentlichung als schlechtester der vier Pressesprecher Bushs. Speziell der Kontrast zu Tony Snow zeigte McClellans rhetorische Beschränkheit. Die Pressebriefings waren geprägt durch McClellans immer gleiche Standardsätze und dies in einer Zeit, in der Bush eigentlich jemanden auf dem Podium gebraucht hätte, der sich gegen die Wortverdreher von der Presse besser hätte wehren können.

Die Konservativen innerhalb und außerhalb des Weißen Hauses kritisieren McClellans Buch, teilweise scharf. Dem kann sich dieser Blog nur anschließen. In wie weit man McClellans Aussagen auch immer glauben schenken mag (hier steht es letztlich Aussage gegen Aussage mit dem Weißen Haus), es drängt sich einfach eine Frage auf: Wieso hat er seine Zweifel und seine Kritik nicht schon zu seinen aktiven Zeiten geäußert? Auch Ari Fleischer und die derzeitige Pressesprecherin Dana Perino, die mit am meisten mit McClellan im Weißen Haus zu tun hatten, sagen, dass sie keine Ahnung hatten, dass McClellan so denkt. McClellan selbst sagte als Pressesprecher zu anderen "Enthüllungsbüchern" über die Bush-Administration: "Why, all of a sudden, if he [ein ehemaliger Minister] had all these grave concerns, did he not raise these sooner? This is one-and-a-half years after he left the administration. And now, all of a sudden, he's raising these grave concerns that he claims he had." Eine Frage, die sich McClellan einmal selbst stellen sollte.

Ganz besonders echauffierte sich der ehemalige Senator und Präsidentschaftskandidat Bob Dole. Er schrieb McClellan eine Email, die sich gewaschen hat. Unter anderem heißt es darin: "There are miserable creatures like you in every administration who don't have the guts to speak up or quit if there are disagreements with the boss or colleagues. No, your type soaks up the benefits of power, revels in the limelight for years, then quits and, spurred on by greed, cashes in with a scathing critique."

Die Spekulationen über McClellans Motivation, so ein Buch zu schreiben, sind eröffnet; gerade auch, weil er als außergewöhnlich nett gilt . Es ist nicht überraschend, dass dabei das Wort "Profit" oft fällt. Gerade Verleger können da schon mal raten, doch ein bisschen Staub aufzuwirbeln. Vielleicht waren aber auch McClellans Bitterkeit und Rachegelüste Grund genug.

Dass gerade ein Mitarbeiter dieser Administration ein solches Buch verfasst, hätte sich vor einiger Zeit auch noch niemand vorstellen können; gelten die Mitarbeiter doch als eingeschworene Truppe, in der Loyalität als oberstes Gebot gilt. Auch Michael Reagan, der Sohn des 40. US-Präsidenten, sieht McClellans Verbrechen vor allem in der Verletzung dieses Gebots:

"It's amazing what some people will do for 30 pieces of silver. Scott McClellan
was given the signal honor of being the spokesman for the president of the
United States, a distinction few Americans have ever achieved. Being the
spokesman for the world's most powerful political figure is no small thing, and
I'm sure that the men and women who have held the post view their service as an
honor more given than deserved. It doesn't appear as if McClellan sees it that
way. He is not the first press secretary to be forced out of the job, and he
won't be the last. But he'll be the first to sink his teeth into the hand that
gave him the job in the first place."

Loyalität – ein unabdingbarer Bestandteil von Integrität. So sieht es George Bush. Es ist seit jeher eine seiner größten Stärken – und eine seiner größten Schwächen. Einmal mehr muss er erkennen, dass Loyalität geben nicht automatisch Loyalität bekommen heißt.

(Hier noch ein Link zum einem Artikel, der sich mit dem Inhalt des Buchs auseinandersetzt.)

Dienstag, 27. Mai 2008

"In countless acts of courage, they died for liberty."

Präsident Bushs letzte Rede am Memorial Day als Commander-in-Chief:

"Thank you. Mr. Secretary, thank you for the kind introduction. Members of my Cabinet, members of the administration, Admiral Mullen, members of the United States Congress, Senator Warner and Congressman Skelton, members of the military, our veterans, honored guests, families of the fallen: Laura and I are honored to be with you on Memorial Day and thank you for coming.

A few moments ago, I placed a wreath upon the tomb of three brave American[s] who gave their lives in service to our nation. The names of these honored are known only to the Creator who delivered them home from the anguish of war -- but their valor is known to us all. It's the same valor that endured the stinging cold of Valley Forge. It is the same valor that planted the proud colors of a great nation on a mountaintop on Iwo Jima. It is the same valor that charged fearlessly through the assault of enemy fire from the mountains of Afghanistan to the deserts of Iraq. It is the valor that has defined the armed forces of the United States of America throughout our history.

Today, we gather to honor those who gave everything to preserve our way of life. The men and women we honor here served for liberty. They sacrificed for liberty. And in countless acts of courage, they died for liberty. From faraway lands, they were returned to cemeteries like this one, where broken hearts received their broken bodies -- they found peace beneath the white headstones in the land they fought to defend.

It is a solemn reminder of the cost of freedom that the number of headstones in a place such as this grows with every new Memorial Day. In a world where freedom is constantly under attack and in a world where our security is challenged, the joys of liberty are often purchased by the sacrifices of those who serve a cause greater than themselves. Today we mourn and remember all who have given their lives in the line of duty. Today we lift up our hearts especially those who've fallen in the past year.

We remember Army Specialist Ronald Tucker of Fountain, Colorado. As a young man, Ronnie was known for having an infectious smile and a prankster's sense of humor. And then he joined the United States Army, which brought out a more mature side in him. Ronnie transformed from a lighthearted teenager into a devoted soldier and a dutiful son who called his mother every day from his post in Iraq. In his final act of duty, less than a month ago, he worked with other members of his unit to build a soccer field for Iraqi children. As he drove back to his base, an enemy bomb robbed him of his life. And today our nation grieves for the loss of Ronnie Tucker.

We remember two Navy SEALS -- Nathan Hardy of Durham, New Hampshire, and Michael Koch of State College, Pennsylvania. Nate and Mike were partners in the field and they were close friends in the barracks. Through several missions together, they had developed the unique bond of brotherhood that comes from trusting another with your life. They even shared a battlefield tradition: They would often head into battle with American flags clutched to their chests underneath their uniform. Nate and Mike performed this ritual for the last time on February the 4th -- they both laid down their lives in Iraq after being ambushed by terrorists. These two friends spent their last few moments on earth together, doing what they loved most -- defending the United States of America. Today, Nathan Hardy and Mike Koch lay at rest next to each other right here on the grounds of Arlington.

The men and women of American armed forces perform extraordinary acts of heroism every single day. Like the nation they serve, they do not glory in the devastation of war. They also do not flinch from combat when liberty and justice are embattled. Ronald Tucker, Nathan Hardy and Mike Koch make clear, they do not waver -- even in the face of danger.

And so today, here in Washington and across our country, we pay tribute to all who have fallen -- a tribute never equal to the debt they are owed. We will forever honor their memories. We will forever search for their comrades, the POWs and MIAs. And we pledge -- we offer a solemn pledge to persevere and to provide the security for our citizens and secure the peace for which they fought.

The soil of Arlington and other sites is filled with liberty's defenders. It is nourished by their heroism. It is watered by the silent tears of the mothers and fathers, and husbands and wives, and sons and daughters they left behind. Today we pray for God's blessing on all who grieve and ask the Almighty to strengthen and comfort them today and everyday.

On this Memorial Day, I stand before you as the Commander-in-Chief and try to tell you how proud I am at the sacrifice and service of the men and women who wear our uniform. They're an awesome bunch of people and the United States is blessed to have such citizens. (Applause.)
I am humbled by those who have made the ultimate sacrifice that allow a free civilization to endure and flourish. It only remains for us, the heirs of their legacy, to have the courage and the character to follow their lead -- and to preserve America as the greatest nation on earth and the last best hope for mankind.

May God bless you and may God bless America. (Applause.)"

Montag, 26. Mai 2008

Memorial Day 2008

MEMORIAL DAY.

We walked among the crosses
Where our fallen soldiers lay.
And listened to the bugle
As TAPS began to play.
The Chaplin led a prayer
We stood with heads bowed low.
And I thought of fallen comrades
I had known so long ago.
They came from every city
Across this fertile land.
That we might live in freedom.
They lie here 'neath the sand.
I felt a little guilty
My sacrifice was small.
I only lost a little time
But these men lost their all.
Now the services are over
For this Memorial Day.
To the names upon these crosses
I just want to say,
Thanks for what you've given
No one could ask for more.
May you rest with God in heaven
From now through evermore.

(C. W. Johnson, 1975)

Montag, 12. Mai 2008

Jenna Bush sagt: "Yes, I do."

Gestern wurde aus Jenna Bush Jenna Hager. Die jüngere der beiden Bush-Zwillingsschwestern heiratete gestern Abend texanischer Zeit den 30-jährigen Henry Hager. Der Bräutigam kommt aus einer Republikaner-Familie; sein Vater war unter anderem Vize-Gouverneur von Virginia. So war es die Politik, die Jenna und Henry zusammenbrachte: Die beiden lernten sich während des Präsidentschaftswahlkampfes 2004 kennen, in dem Henry Hager im Stab von Karl Rove mitwirkte.

Die Zeremonie fand entgegen den Hoffnungen der Medien nicht in aller Öffentlichkeit im Weißen Haus, sondern im Privaten auf George Bushs Ranch in Crawford, Texas statt. Dies war der Wunsch der Braut, der die Medienöffentlichkeit, die ihren Vater nun mal umgibt, schon immer suspekt war. Crawford jedenfalls freute sich über das Ereignis des Jahrhunderts für das 700-Seelen-Dorf. 200 Gäste waren geladen und die Feierlichkeiten erstreckten sich über zwei Tage.

Die Trauung fand an einem See auf dem Anwesen der Bushs bei Sonnenuntergang statt. Präsident Bush führte seine Tochter, die vom Aussehen und der Persönlichkeit her ganz nach ihrem Vater kommt, an den Traualtar. Der ehemalige Präsident Bush und seine Frau Barbara hielten die Ansprachen während der Trauungszeremonie. Der Geistliche, der die Trauung vollzog war Reverend Kirbyjon Caldwell aus Houston, ein Freund der Familie. Anschließend wurde in einem großen Festzelt gefeiert, wo eine 10-Mann-Band aus Tennessee für die Stimmung sorgte. Der Bandleader, so heißt es, ist bekannt dafür, einzelne Personen auf die Bühne zum Tanzen zu beordern. Im Vorfeld sagte er, dass Präsident Bush eines seiner potenziellen Opfer an diesem Abend sein würde. Ob es dazu kam, ist nicht bekannt. Wie so was aussehen kann, weiß man ja aber schon.
Den traditionellen Tanz von Braut und Brautvater tanzten Jenna und George W. Bush zum Lied "You Are So Beautiful". Das Brautpaar tanzte seinen ersten Tanz auf "Lovin' In My Baby's Eyes".

Dies sind so ziemlich alle Details, die (zumindest bis jetzt) über die Hochzeit bekannt wurden. Das Weiße Haus gab vor allem im Vorfeld kaum einen Kommentar über die Einzelheiten ab. Es wurde statt dessen unermüdlich betont, dass dies ein privates Ereignis für die Familie sei.
Hier gibt es noch ein bisschen was zum Ablauf und zu den Hintergründen zu lesen.

Wer auf schöne Hochzeitsfotos hoffte, wurde aber nicht enttäuscht. Diese wurden heute veröffentlicht.

Congrats, Jenna and Henry!

Donnerstag, 20. März 2008

5 Jahre danach

Auf Grund eines sechs-wöchigen Aufenthalts in Berlin ist es der Bloggerin im Moment nicht möglich, regelmäßig zu schreiben. Deshalb auch nur ein kurzer Post zum Jahrestag:

George W. Bush hielt gestern Abend mitteleuropäischer Zeit eine Rede zum Jahrestag. An einer Stelle sagte er mit wenigen Sätzen eigentlich alles, was es über den Sinn und Zweck dessen, was vor genau fünf Jahren begann, gesagt werden muss: "Because we acted, Saddam Hussein no longer fills fields with the remains of innocent men, women and children. Because we acted, Saddam's torture chambers and rape rooms and children's prisons have been closed for good. Because we acted, Saddam's regime is no longer invading its neighbors or attacking them with chemical weapons and ballistic missiles. Because we acted, Saddam's regime is no longer paying the families of suicide bombers in the Holy Land. Because we acted, Saddam's regime is no longer shooting at American and British aircraft patrolling the no-fly zones and defying the will of the United Nations. Because we acted, the world is better and United States of America is safer."

Das Saddam-Regime mit militärischen Mitteln zu entmachten war und ist richtig. Die Ausführung darf und muss kritisiert werden, wobei man sich fragen muss, welcher Krieg schon lehrbuchhaft verlief. Aber zum ersten Mal hat das irakische Volk eine Chance. Nicht mehr und nicht weniger als das, aber mehr, als es in den letzten Jahrzehnten je hatte.

Mein derzeitiger Chefredakteur (der Aufenthalt in Berlin ist nämlich mit einem Praktikum verbunden) hat ebenfalls das richtige Fazit gezogen: "Heute beginnt die unerschütterliche Anstrengung vor allem der USA im Irak Früchte zu tragen. Bagdad, so scheint es, ist wieder ein bewohnbarer Ort geworden, das Leben beginnt zu erblühen, die Zeit ist vorbei, in der die Menschen die Öffentlichkeit angstvoll meiden mussten. Es ist ein teuer erkaufter Erfolg, aber ein Erfolg. Dass ihn die Bürger des Irak allmählich genießen können, verdanken sie nicht den friedlichen europäischen Multilateralisten, sondern zähen Generälen wie David Petraeus.
Bis zur funktionierenden Demokratie im Irak wird es noch ein sehr weiter Weg sein. Dass er überhaupt eröffnet werden konnte, dafür ist vor allem der feste amerikanische Glaube verantwortlich, für alle Menschen dieser Welt seien Freiheit und Demokratie etwas Gutes und Erstrebenswertes."

Chapeau Herr Schmid!

Den amerikansichen Truppen und den Truppen der Coalition of the Willing gebührt an diesem Tag Dank und Respekt. Vor allem auch denen, die das größte Opfer gebracht haben...

Donnerstag, 28. Februar 2008

William F. Buckley Jr. - R.I.P.

In Deutschland unbekannt, für jeden den Konservativen Amerikas nahestehend jedoch erwähnenswert: William F. Buckley Jr. ist gestern im Alter von 82 Jahren gestorben.

Er gilt als einer der Väter der eigentlichen Republican Revolution, die mit der Präsidentschaftskandidatur von Barry Goldwater 1964 begann und den Weg für Ronald Reagan ("the outsiders are now in" kommentierte er dessen Sieg) ebnete - eine Zeit, in der Buckley und co. den Konservatismus in Amerika salonfähig machten. Einer der vielen Artikel von Townhall zum Tode Buckleys trägt deshalb die Überschrift: "Bill Buckley Made It Okay To Be a Conservative".

George W. Bush (der von Buckley durchaus auch kritisiert wurde) würdigt den Verstorbenen: "America has lost one of its finest writers and thinkers. Bill Buckley was one of the great founders of the modern conservative movement. He brought conservative thought into the political mainstream, and helped lay the intellectual foundation for America's victory in the Cold War and for the conservative movement that continues to this day. He will be remembered for his principled thought and beautiful writing -- as well as his personal warmth, wit, and generous spirit."

Buckleys Sprachrohr war die von ihm gegründete National Review - ein Magazin, das als Bibel der US-Konservativen gilt und eine von Buckleys größten Hinterlassenschaften ist. In ihrem Nachruf schreibt NR: "He inspired and incited three generations of conservatives, and counting."

Buckley hatte ein Mundwerk à la Franz Josef Strauß (oder sollte man besser sagen Ann Coulter?) und die von ihm verhassten Liberals hatten nichts zu lachen und verloren so ziemlich jeden verbalen Schlagabtausch. Als die National Review von der "Liberty Lobby" verklagt wurde, wurde Buckley im Zeugenstand gefragt, ob er den linken Bürgerrechtler Jesse Jackson einen Dummkopf genannt habe. Buckley antwortete: "Falls ich es nicht getan habe, hätte ich es tun sollen." Berühmt ist auch das Zitat: "Ich würde mich eher von den ersten 2000 Namen im Bostoner Telefonbuch regieren lassen, als von den 2000 Mitgliedern des Lehrkörpers von Harvard." Auch Selbstironie war ihm nicht fremd: Als er als Bürgermeister New Yorks kandidierte, ohne je eine realistische Chance auf den Sieg gehabt zu haben, wurde er am Wahlabend gefragt, was seine Reaktion sei, wenn man ihm sage, er habe die Wahl gewonnen. "Ich würde eine Nachzählung der Stimmen fordern", antwortete er.

Buckley sagte einmal über sich: "I asked myself the other day, 'Who else, on so many issues, has been so right so much of the time?' I couldn't think of anyone."

Recht hatte er.

Montag, 25. Februar 2008

Und der Oscar in der Kategorie "Albtraum der Demokraten" geht an...

...Ralph Nader!!!

Politico: "The longtime consumer activist said on "Meet the Press" that Washington has become 'corporate occupied territory' and that none of the current presidential candidates are sufficiently addressing corporate crime, labor rights or Pentagon waste. 'In that context, I have decided to run for president,' he told host Tim Russert."

Er tut es also wieder: Ralph Nader ist seit gestern ein offizieller "candidate for president of the United States". Schon seit den 70er Jahren hängt Nader der Idee einer dritten Kraft in der amerikanischen Politik neben Demokraten und Republikanern an. Um diese Idee voranzubringen, kandidierte der linke Nader seit den 90er Jahren wiederholt für das Präsidentenamt; mal als Unabhängiger, mal als Kandidat der Green Party. Wie Informierte wissen werden, hört sich das spektakulärer an, als es ist, da Naders Erfolge nie der Rede Wert waren.

Sein bestes Ergebnis erzielte er bei der Präsidentschaftwahl im Jahr 2000 und hier sind wir auch schon bei dem einen Fall, wo Naders "Erfolg" eben doch der Rede Wert war: Insgesamt erhielt Nader damals fast 3 Millionen Stimmen. In Florida waren es fast 100 000 und zumindest ein paar von denen fehlten Al Gore, um in Florida zu gewinnen und damit Präsident zu werden. Spätestens seit der Wahl 2000 ist Nader also ein rotes Tuch für die Demokraten und ein gern gesehener Gast in jedem Präsidentenrennen aus Sicht der Republikaner. Entsprechend "not amused" waren Hillary Clinton und Barack Obama gestern, als sie auf die Kandidatur Naders angesprochen wurden. Es wird erwartet, dass der letztliche demokratische Kandidat unter anderem auf rechtlichem Wege versuchen wird, Nader in so vielen Staaten wie möglich nicht auf den Wahlzettel zu lassen.

Wie schon im Jahr 2004 wird allerdings auch in diesem Jahr bezweifelt, dass Nader auch nur annähernd an sein Ergebnis von 2000 herankommen und so das Ergebnis der Präsidentschaftswahl entscheidend beeinflussen kann. Und dennoch: Jede Stimme für Nader ist eine weniger für Obama oder Hillary. Deshalb ist Ralph Nader der einzige Kandidat neben John McCain, dem dieser Blog viel Glück wünscht. Und für 2000 werden wir natürlich immer dankbar sein.

Freitag, 22. Februar 2008

And The Winner Is ..... Dallas!

Die Loyal Bushies wissen endlich, wo sich ihr Pilgerort nach dem 20. Januar 2009 befinden wird (neben Crawford natürlich): DALLAS! Dort wird die George W. Bush Presidential Library errichtet werden. Genauer gesagt auf dem Campus der Southern Methodist University, der Alma Mater von Laura Bush.

Wikipedia erläutert: "Jeder Präsident der Vereinigten Staaten hat eine Präsidentenbibliothek in seinem Heimatstaat, in welchem Dokumente, Artefakte und Anschauungsmaterialien gehalten werden, die zu seiner früheren Präsidentenkarriere in Beziehung stehen. Jede Bibliothek enthält außerdem ein Museum und betreibt öffentliche Programme. In den Vereinigten Staate ist das System der Präsidentenbibliotheken ein landesweites Netzwerk von Bibliotheken, die vom Amt für die Präsidentenbibliotheken verwaltet werden, das Teil der Verwaltung der National Archives and Records Administration (NARA) ist. Es handelt sich dabei nicht um traditionelle Bibliotheken, sondern um Aufbewahrungsorte für Papiere, Aufzeichnungen und andere historische Materialien aller Präsidenten seit Herbert Hoover, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden"

Schon seit Beginn der Amtszeit Bushs im Jahr 2001 wurde ein geeigneter Ort für die Errichtung der Bibliothek gesucht. Der frühere US-Handelsminister Don Evans leitet das Findungskomitee seit ein paar Jahren. Ab dem Jahr 2006 waren ungefähr acht Stätten in der engeren Auswahl, darunter auch Austin, Midland, sowie Waco, das in der Nähe von Bushs Ranch liegt. Dort wird nun Enttäuschung herrschen, bringen die Presidential Libraries doch Touristen, Arbeitsplätze und Prestige. Die Southern Methodist University in Dallas galt jedoch seit jeher als Favorit, da die Bushs Dallas als zweiten Wohnsitz neben Crawford nach der Zeit im Weißen Haus auserkoren haben.

Die SMU brüstet sich jetzt schon auf ihrer Homepage mit dem Titel "Home of the George W. Bush Presidential Center". Nun wird es zunächst darum gehen, Gelder für die Errichtung der Bibliothek zu sammeln. Die Bauarbeiten sollen 2009 beginnen und fünf Jahre andauern.

Dancer-in-Chief

Auf Reisen nach Asien und Afrika sieht George W. Bush wohl nichts so oft wie Tanzgruppen. Schon am Flughafen wird er in der Regel von tanzenden Einheimischen empfangen. Tja, und manchmal scheint sich Bush zu denken: Warum nur zuschauen? Mitmachen ist doch so viel schöner. Am legendärsten ist wohl sein Auftritt mit einer afrikanischen Tanzgruppe im Rosengarten. In Brasilien sorgte er sogar selbst für Rhythmus und auch auf seiner jetzigen Afrika-Reise hielt es ihn nicht auf seinem Sitz. In Liberia tanzte Bush (wie gewohnt etwas ungelenk) an der Seite der liberischen Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. Hier der Link. Und keine Angst: Er zieht wirklich nur sein Jackett aus. Shake it, Dubya! Man muss ihn einfach mögen.